PLT-CAE-Systeme erleichtern die Migration von Leitsystemen

Prodok unterstützt die Anlagenplanung beim Erstellen von Wirkschaltplänen, Funktionsplänen und der Schaltschrankdokumentation

  • Abb.: Das PLT CAE System Prodok unterstützt bei der Anlagenplanung u. a. beim Erstellen technischer Dokumente wie Wirkschaltpläne, Funktionspläne, Klemmenpläne bzw. bei der Schaltschrankdokumentation. Abb.: Das PLT CAE System Prodok unterstützt bei der Anlagenplanung u. a. beim Erstellen technischer Dokumente wie Wirkschaltpläne, Funktionspläne, Klemmenpläne bzw. bei der Schaltschrankdokumentation.
  • Abb.: Das PLT CAE System Prodok unterstützt bei der Anlagenplanung u. a. beim Erstellen technischer Dokumente wie Wirkschaltpläne, Funktionspläne, Klemmenpläne bzw. bei der Schaltschrankdokumentation.
  • Christian Stolz, Account Manager Plant Solutions, Rösberg Engineering

Die Auslöser für die Migration von Anlagen oder Anlagenteilen können vielfältig sein. Sie reichen von veralteter oder abgekündigter Hard- bzw. Software über veränderte rechtliche Anforderungen bis dahin, dass mit dem aktuellen System nicht mehr effizient gearbeitet werden kann. In der Prozessautomation ist eine solche Migration immer mit viel Aufwand verbunden. Nutzt man dabei jedoch die richtigen Tools, lässt sich nicht nur der Aufwand für die Migration selbst reduzieren, sondern auch künftig der alltägliche Betrieb erleichtern. Und auch die unliebsame Arbeit von Signaltests und Loopchecks nach dem Um- oder Neubau einer Anlage kann mit praxisgerechten Tools deutlich effizienter ablaufen und dabei noch zuverlässigere Ergebnisse liefern.

In der Prozessindustrie ist es nicht unüblich, etwa alle fünfzehn Jahre das Prozessleitsystem zu migrieren, um einen zukunftsorientierten Betrieb der Anlage zu gewährleisten. So stand auch bei einem großen Konzern eine entsprechende Migration an. Da die laufende Produktion davon so wenig wie möglich beeinflusst werden sollte, musste der Umstieg auf ein neues System reibungslos und schnell ablaufen.
 

Durchdachte Umbaukonzepte
Da der Konzern bereits seit vielen Jahren das PLT-CAE System Prodok (Abb. 2) von Rösberg einsetzt und generell eng mit den Experten für Prozessautomatisierung zusammenarbeitet, waren diese auch bei der Migration mit im Boot. Im Migrationsprojekt wurde lediglich das Leitsystem ausgetauscht, die Feldebene selbst blieb unverändert. Die wesentliche Herausforderung lag darin, dass nur wenige Tage für den Umstieg vom alten auf das neue System vorgesehen waren. Die alten Schaltschränke wurden abgeklemmt und durch die neuen komplett vormontierten Schränke ersetzt. Vor der Inbetriebnahme galt es nun, Signaltests an gut 4.000 Messstellen durchzuführen. Um diese umfangreiche Aufgabe in der begrenzten Zeit zu bewältigen, arbeiteten drei Prüftrupps mit jeweils drei Personen im Dreischichtbetrieb.
 

Gepflegte Datenbasis erleichtert Migration
Bei einem solchen Projekt auch auf organisatorischer Ebene den Überblick zu behalten ist alles andere als trivial.

Dabei ist es immens wichtig, den aktuellen Fortschritt zu kennen, um abschätzen zu können, ob man im Zeitplan liegt oder kurzfristig weitere Prüftechniker mit dazu nehmen muss. Hier war es von großem Vorteil, dass die komplette Planung bzw. Erstellung der technischen Dokumente wie PLT-Stellenpläne, Funktionspläne, Klemmenpläne bzw. Schaltschrankdokumentation mit Prodok umgesetzt wurde. Da schon vor dem Projekt mit dem CAE-System gearbeitet wurde, lag bereits ein relativ gutes Basic-Engineering vor. Gleichzeitig wurde die Migration auch für ein Update der vorhandenen Datenbank genutzt. Nun lassen sich auch die Dokumente automatisiert einbinden, bei denen das bislang schwierig war. Gleichzeitig wurden in diesem Zusammenhang einige Fehler aus der vorherigen Dokumentation korrigiert. Die Automatisierungsexperten haben auf Basis der bereits vorliegenden Daten aus Prodok 9.5 das komplette Detail-Engineering (Anlegen von Ressourcen, Verkabeln, Rangieren usw. bis zur Loop-Erstellung) realisiert.
 

Loopchecks leichtgemacht
Klassischerweise arbeitet man bei Loopchecks mit Papierdokumentation. In einer Anwendung mit 4.000 Messstellen füllt eine solche Dokumentation mit ca. 20.000 Dokumenten um die 40 Ordner. Allein die Suche nach den richtigen Dokumenten verschlingt dann eine Menge Zeit. In der beschriebenen Anwendung nutzen die Anlagenbetreiber das digitale Dokumenta­tionstool Livedok NG. Auch das brachte bei der Migration eine immense Zeitersparnis.
Weil die komplette Prüfung nur im Schaltraum stattfand, ließ sich vor Ort recht einfach ein Netzwerk aus einer Serverstation und drei ­Clients aufbauen. Dabei wurden auf dem Server in einer Masterdatenbank alle nötigen Dokumente abgelegt. Die Prüftechniker griffen nun über ihre Notebooks mit der Dokumentationssoftware einfach darauf zu und arbeiteten über ein vorgegebenes Schema die Messstellen ab. Fehlten für die Prüfungen spezielle Dokumente, ließen sich diese dank digitaler Suche innerhalb von Sekunden auffinden. Ein weiterer Vorteil bringt dieses Vorgehen bei der Projektorganisation. Weil im Dokumentationstool auch genau erfasst wird, wer wann welche Messstelle geprüft hat, lässt sich sehr schnell und ohne großen Aufwand eine Übersicht des aktuellen Projektfortschritts generieren. Der Projektleiter muss sich am Abend also nicht durch einen Stapel Papiere wühlen, um dadurch lediglich einen groben Überblick über die getane Arbeit des Tages zu erhalten, sondern kann jederzeit ganz genau wissen, wie die Arbeit im Zeitplan liegt. So kommt es gegen Ende der vorgegebenen Projektzeit nicht zu bösen Überraschungen, weil der Projektleiter bereits frühzeitig Gegenmaßnahmen einleiten und z. B. weitere Mitarbeiter hinzunehmen kann.
 

Dokumentation on the fly
Wie beim Anlagenneubau so ist auch in Migrationsprojekten die as-built-Dokumentation ein wichtiger Teil des Gesamtprojektes. Üblicherweise hält der Auftraggeber nach abgeschlossener Migration einen bestimmten Anteil der Zahlungen zurück, bis ihm eine vollständige as-built-Dokumentation der Anlage vorliegt. Arbeitet man mit einer Papierdokumentation, machen Mitarbeiter während der Migration zahlreiche Notizen auf den ausgedruckten Dokumenten. Gewöhnlich wird dieser Dokumentensatz kopiert und dem Anlagenbetreiber übergeben. Der Originaldatensatz mit allen Roteinträgen geht an das Engineering-Unternehmen, das nun mit Hilfe dieser Revisionsdokumentation die Enddokumentation erstellt.
Dieses Vorgehen bringt etliche Nachteile. So ist für diejenigen, die die Enddokumenta­tion erstellen, nicht nachvollziehbar, wer welche Änderungen vermerkt hat. Ist eine Änderung nicht leserlich, ist also oft unklar, wer der richtige Ansprechpartner ist. Ein weiteres Problem: unter Umständen wurde das Projekt in einem Land ausgeführt, dessen Muttersprache das Engineering-Unternehmen nicht beherrscht. Dadurch ist die Kommunikation mit dem Anlagenbetreiber erschwert, wenn es nachträglich Nachfragen gibt. Eine weitere Herausforderung ergibt sich dadurch, dass während die Enddokumenta­tion erstellt wird, gleichzeitig in der Anlage mit einer Kopie der Dokumentation gearbeitet wird. Gerade direkt nach einer Migration treten jedoch erfahrungsgemäß einige Unklarheiten auf, die in der Dokumentation vermerkt werden müssen. Während man extern also an der Enddokumentation arbeitet, kommen in der Anlage bereits weitere Änderungen dazu. Dies zu verwalten ist nahezu unmöglich.
In der hier beschriebenen Migration arbeiteten die Prüftechniker mit Livedok NG. Im digitalen Dokumentationstool nahmen sie alle Änderungen per Roteintrag digital direkt im System vor. Diese Änderungen wurden in regelmäßigen Abständen an die Planungsabteilung der Automatisierungsexperten übergeben und dort konnte parallel zu den Prüfungen die Enddokumentation bereits angepasst werden. Das erleichtert Rückfragen, zumal die Software bei jeder Änderung vermerkt, wer sie vorgenommen hat, und der zuständige Mitarbeiter einfach zu finden ist.
 

Testinfrastruktur zum Ausleihen
Im konkreten Migrationsprojekt gab es noch eine weitere Besonderheit. Die Automatisierungsexperten haben nicht nur die Migration geplant und umgesetzt, sondern auch für die Tests die komplette Infrastruktur vorab aufgebaut und dem Anwender leihweise zur Verfügung gestellt. Nach einer kurzen Schulung konnte die Testumgebung für die Loopchecks genutzt werden. Dabei war es für den Anlagenbetreiber hilfreich, dass die Testinfrastruktur komplett unabhängig von seiner IT arbeitet. Dadurch war man unabhängig vom hauseigenen IT Service und konnte wirklich rund um die Uhr ungestört arbeiten. Nach Abschluss der Migration nahmen die Automatisierungsexperten die ausgeliehene Testinfrastruktur wieder mit.
Die Anwendung zeigte deutlich: Ein durchdachtes PLT-CAE System erleichtert nicht nur die Planung und den Bau einer Anlage samt Signal- und Feldtests. In Kombination mit einem digitalen Dokumentationstool hilft es dem Anwender auch im laufenden Betrieb, die Dokumentation zuverlässig auf dem aktuellen Stand zu halten. Mit einer derart gut gepflegten as-built-Dokumentation werden nicht nur Betrieb und Instandhaltung erleichtert, sondern auch Migrationen, die im Laufe eines Anlagenlebens immer wieder auftreten. Stillstandzeiten für die Migration lassen sich dadurch drastisch reduzieren, weil sich der Altdatenbestand deutlich leichter migrieren lässt. Die Kosteneinsparungen während des laufenden Betriebs und der Migration sind dadurch beachtlich. Im beschriebenen Projekt wurde die Migration mit den nachfolgenden Tests im vorgegebenen Zeitrahmen realisiert und die Produktion konnte ungehindert weitergehen.
 

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