Branchenpremiere eines Prozessleitsystems bei Veltins

Das Leitsystem Aprol von B & R modernisiert die bekannte Privatbrauerei

  • Abb.1: Würzpfannen bei Veltins zum Kochen der Heißwürze. Ab hier übernimmt Aprol das Kommando.Abb.1: Würzpfannen bei Veltins zum Kochen der Heißwürze. Ab hier übernimmt Aprol das Kommando.
  • Abb.1: Würzpfannen bei Veltins zum Kochen der Heißwürze. Ab hier übernimmt Aprol das Kommando.
  • Abb.2:  Durch Übernahme der E-Plan-Planungsdaten direkt ins Aprol wurde eine schnelle und nahezu fehlerfreie Inbetriebnahme möglich.
  • Abb.3: Die Sichtkontrolle bestätigt: Die Produktion läuft ohne Unterbrechung weiter.
  • Abb.4: Andreas Enzenbach, Marketingleiter bei Bernecker & Rainer Industrie – Elektronik GmbH.

Ein ambitioniertes Ziel hatten sich die Brauerei C. & A. Veltins und B & R gesteckt: Gemeinsam sollte das Leitsystem Aprol zu einer Branchenlösung für Brauereien ausgebaut und parallel dazu Teile der Produktionsanlagen der Privatbrauerei mit dem neuen System ausgestattet werden – und das während der Weltmeisterschaft, der als saisonaler Schwerpunkt der Brauereibranche gilt. Diese Mammutaufgabe haben die Mittelständler mit den ihnen zugeschriebenen Tugenden Flexibilität, Innovationsfreudigkeit sowie nachhaltigem Denken gemeistert und gleichzeitig das Prozessleitsystem einen wichtigen Schritt nach vorne gebracht. Im Segment der Branchenlösungen für Brauereien ist damit aus B & R-Sicht für die alteingesessenen Anbieter ein ernstzunehmender Konkurrent entstanden, der für Bewegung im Markt sorgt. Veltins ist die erste Brauerei, die diese Lösung einsetzt.

„Sicherlich hätten wir den Weg gehen können, bei der Modernisierung unserer Anlagen auf die bestehende Lösung eines etablierten Prozessleitsystemanbieters zurückzugreifen. Wir haben uns aber bewusst dafür entschieden, einen neuen Weg zu gehen“, betont Dirk Bartmann, der bei Veltins für die Prozessleittechnik verantwortlich ist. „Wir sind nach wie vor davon überzeugt, dass ein neuer, innovativer Anbieter auch für neue Impulse sorgt“, fährt der Fachmann von Veltins fort. „B & R war aus unserer Sicht der richtige Partner für dieses Vorhaben, weil das Unternehmen zum einen mit Aprol ein Prozessleitsystem an der Hand hat, bei dem wir uns sicher waren, dass es sich zu einer leistungsfähigen Branchenlösung ausbauen lassen würde.“ Zum anderen habe man festgestellt, dass B & R als Mittelständler, die Flexibilität und Innovationsbereitschaft mitbringt, die für die Bewältigung einer solchen Aufgabe erforderlich war.

Lösung für Brauereien

Diese Attribute waren denn auch besonders gefordert, da parallel zur Anpassung von Aprol an die Bedürfnisse der Braubranche der Gär- und Lagerkeller und angrenzende Anlagenbereiche bei Veltins mit dem Prozessleitsystem von B & R modernisiert werden sollten. Insgesamt galt es, mehr als 50.000 Bildmakros, über 11.000 Funktionsbilder sowie fast 2.000 Prozessbilder zu erstellen.

Zudem sollte das Gros der in die Jahre gekommenen Automatisierungstechnik einschließlich der Leitwarte durch B & R-Produkte ersetzt und der Rest – meist Profibus-Komponenten wie Frequenzumformer und andere Profibus-Aggregate wie Kältesteuerungen – eingebunden werden. Insgesamt wurden u.a. 25.000 Hardware-I/ Os mit Hilfe des I/O-Systems System 2005 von B & R installiert sowie 30 Stand- und 50 Wandschränke mit neuer Technik – darunter 13 B & R-System 2005-Steuerungen – ausgerüstet und neu verdrahtet. Für die Planung und Umsetzung der Arbeiten, einschließlich des Schaltschrankbaus und der Montage, wurde der erfahrene B & R-Systempartner Actemium gewonnen und als Dritter mit ins Boot geholt. Da es bei der Umsetzung des umfangreichen Pflichtenhefts zu keiner Beeinträchtigung des Betriebs kommen durfte und nur sehr kurze Produktionspausen für Umschlüsse zur Verfügung standen, wurde das Projekt in mehrere Phasen aufgeteilt. In Anlagenbereichen, die Veltins unter der Woche für die Bierproduktion benötigte, wurde an einem produktionsfreien Wochenende die gesamte Elektroinfrastruktur unterhalb der Steuerungen umgeschlossen. Die I/Os wurden dann erst einmal wieder an die alten Steuerungen zurückgemeldet und deren Automatikprogramme vorerst weiterverwendet. Spätere Produktionspausen wurde dann genutzt, um die Funktonalität aus den alten Systemen nach und nach auf die neuen Steuerungen zu übertragen.

Klar gewonnen

Dass das Umschlusskonzept von Veltins aufgegangen ist, belegt die Tatsache, dass es nicht einmal zur Fußballweltmeisterschaft 2006 mit der zu erwartenden Produktionsspitze zu Engpässen bei der Traditionsbrauerei gekommen ist – und dass, obwohl das Fußballereignis genau in die Zeit der Anlagenumstellung fiel. „Damit wurde schon während der Umstellung das verhindert, was auch einer der Hauptgründe für die Modernisierung war: Anlagenausfälle“, urteilt Dirk Bartmann. Wegen der eng ineinandergreifenden Verfahrensprozesse und eingeschränkter Diagnosemöglichkeiten sei das Projekt während der Umstellphase sehr sensibel gewesen. Veltins hat dabei schnell erkannt, dass die B & R-Automatisierungslösung dank zuverlässiger und langfristig lieferbarer Produkte nicht nur diese Probleme beheben würde, sondern viel mehr Möglichkeiten bietet. „So ist es uns mit Aprol gelungen, die im Gär- und Lagerkeller noch zahlreichen manuell gesteuerten Produktionsbereiche zu automatisieren und die Handebene komplett aufzulösen und so die Produktqualität weiter zu verstetigen“, führt der Veltins-Mann ein Beispiel an. „Ein entscheidender Faktor war dabei, dass Aprol ein Linux-System ist und sich folglich durch eine ausgeprägte Offenheit auszeichnet. Daher war es auch problemlos möglich, Profibus- Automatisierungskomponenten mit S 5- und S 7-Steuerungen über TCP/ IP ebenso in das System zu integrieren wie Industrienotebooks, die über WLAN mit Aprol kommunizieren.“

Den Prozess immer und überall im Griff

Mit den robusten Notebooks hat der Bediener den ganzen Prozess im Blick und kann zudem sämtliche Einstellungen vornehmen, auch wenn er gerade nicht in der Leitwarte mit ihren neun Bedienstationen und einer zusätzlichen Beobachtungsstation sitzt. Da ihn das System ständig über alle Vorgänge auf dem Laufenden hält, erfährt er auch von Ereignissen, die nicht in unmittelbarer Nähe zu seinem Standort auftreten. „Dabei erhalte ich nicht nur eine Fehlermeldung, sondern ich kann auch gleich nachsehen, welcher Grund beispielsweise zur Verriegelung eines Ventils geführt hat, ohne dass ich – wie früher – erst einmal das Programmiergerät holen muss. Das kommt bei Mitarbeitern gut an“, berichtet Dirk Bartmann. Ebenso positiv aufgenommen wird, dass dank der Offenheit des Aprol-Systems auch Schnittstellen zu den Software-Tools anderer Hersteller mit vergleichsweise geringem Aufwand realisiert werden konnten, soweit sie nicht ohnehin schon vorhanden waren. „Durch die nahtlose Integration von Tools wie Eplan View oder Cadison vereinfacht sich zum einen das Engineering, da sich beispielsweise Daten, Symbole und Bezeichnungen direkt übernehmen lassen. Dies hat zweifellos dazu beigetragen, dass zwischen den einzelnen Umschlussschritten ein größeres Arbeitspensum bewältigt werden konnte bzw. diese schneller aufeinander folgen konnten“, urteilt Dirk Bartmann.

„Zum anderen kann das Personal im Wartungsfall ohne Umwege über andere Systeme und ganz ohne Wälzen von Leitz-Ordnern bzw. einen Gang in den Gär- und Lagerkeller feststellen, was ausgefallen ist und was für ein Ersatzteil benötigt wird. Dazu muss es nur die Mechanikdatenbank von Cadison aus Aprol heraus aufrufen.“ Zusammen mit den bereits innerhalb von Aprol bereit gestellten und mit internen Funktionen wie Audit Trail akquirierten Daten – Aprol verwaltet bei Veltins mehr als 7,5 Mio. Prozessvariablen – kann sich die Brauerei umfassend über Brauvorgänge und Produktionsdaten informieren. Das bietet klare Vorteile, wie Dirk Bartmann bestätigt: „Viele dieser Informationen lagen uns zwar schon vor dem Umstieg auf APROL vor, aber häufig nur in Form von Excel-Listen oder handschriftlichen Protokollen. Entsprechend zeitaufwändig war die Extraktion von Daten für die Erstellung von Berichten wie beispielsweise Bestandübersichten. Aprol bietet uns nun die Möglichkeit, viele dieser Arbeiten zu automatisieren und Daten zusammenzuführen und zu verknüpfen.“ So kann Veltins schneller einzelne Chargen auch automatisch zurückverfolgen und könnte – im bisher nicht eingetretenen Fall von Reklamationen – eruieren, wo das Problem entstanden ist und zusätzlich feststellen, welche anderen Chargen ggf. davon betroffen wären. „Da Aprol wesentlich mehr Informationen zur Verfügung stellt und wir zudem schneller darauf zugreifen können, lassen sich Fehler generell in kürzerer Zeit identifizieren und beheben sowie Prozesse leichter optimieren“, fügt Dirk Bartmann an. Die Wartung und Instandhaltung hat sich zusätzlich vereinfacht, da Veltins die Modernisierung genutzt hat, um die Automatisierungstechnik neu zu organisieren und funktional zusammengehörige Aggregate und Automatisierungskomponenten dezentral zusammenzuführen. Dirk Bartmann fällt angesichts der zahlreichen Vorteile und neuen Möglichkeiten auch ein durchwegs positives Urteil über Aprol und die Automatisierungstechnik von B & R: „Wir haben eine durchgängige Lösung von der Leit- bis zur Feldebene mit ungehindertem Durchgriff und hoher Verfügbarkeit und Anpassungsfähigkeit geschaffen. Ich bin davon überzeugt, dass wir Aprol für die Brauindustrie fit gemacht und als System spürbar nach vorne gebracht haben.“

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Telefon: +43 7748 65860

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