KEFF-Checks zur Energieeffizienz

Kompetenzstellen des Netzwerks Energieeffizienz zeigen Optionen zur Ressourcenschonung bei Kälte, Wärme und Strom

  • Abb. 1: Nach der Inbetriebnahme des neu gebauten Biopulver-Werks ergaben sich verhältnismäßig hohe Energieverbräuche. Der KEFF-Check machte Einsparungen und Optimierungen möglich. | © Umwelttechnik BW GmbHAbb. 1: Nach der Inbetriebnahme des neu gebauten Biopulver-Werks ergaben sich verhältnismäßig hohe Energieverbräuche. Der KEFF-Check machte Einsparungen und Optimierungen möglich. | © Umwelttechnik BW GmbH
  • Abb. 1: Nach der Inbetriebnahme des neu gebauten Biopulver-Werks ergaben sich verhältnismäßig hohe Energieverbräuche. Der KEFF-Check machte Einsparungen und Optimierungen möglich. | © Umwelttechnik BW GmbH
  • Abb. 2: Als ein Ergebnis des KEFF-Checks bei den Ensinger Mineral-Heilquellen werden Produktionsbereiche mit unterschiedlichen Temperaturniveaus jetzt konsequent getrennt, um Energieverluste zu vermeiden. | © Umwelttechnik BW GmbH
  • Abb. 3: Früchte Jork nutzt das BHKW zur Wärme-, Kälteerzeugung und für das eigene Nahwärmenetz optimal aus. | © Umwelttechnik BW GmbH
Die regionalen Kompetenzstellen des Netzwerks Energieeffizienz (KEFF) informieren Unternehmen in Baden-Württemberg in unabhängiger und neutraler Weise kostenlos über Energieeffizienz-Maßnahmen. Drei Beispiele von Unternehmen aus der Lebensmittelbranche zeigen, welche unterschiedlichen Einspar-Potenziale in den Bereichen Kälte, Wärme und Strom durch den KEFF-Check gehoben werden konnten.
 
Das Unternehmen Biopulver wurde Ende 2015 gegründet und produziert seit Mai 2020 im neugebauten Werk in Teningen Milchpulver für die Lebensmittel- und Babynahrungsindustrie. Die Geschäftsleitung setzte seit Anbeginn des Unternehmens auf Nachhaltigkeit – sowohl beim Produktportfolio wie auch bei der Produktion. Das wurde auch bei der Planung des neuen Produktionsgebäudes beachtet. Von Beginn an bestand das Ziel, einen höchst energieeffizienten Produktionsablauf zu gestalten. Doch nach der Umsetzung ergaben sich verhältnismäßig hohe Energieverbräuche. Das war der Anlass für den KEFF-Check, der weitere Einspar- und Optimierungsmöglichkeiten aufzeigte.
 
So wurde die Konzeption und der Neubau der Kaltwassererzeugung unter dem Aspekt der Effizienz und Nachhaltigkeit angegangen. Aufgrund des sehr niedrigen Treibhauspotenzials (GWP) wurde Propangas (R290) als Kältemittel ausgewählt. Es kam ein PCM Kältespeicher zum Einsatz, der durch Vermittlung der KEFF über das Projekt RegioWIN Vernetzte Industrie gefördert werden konnte. Das gesamte Werk wurde mit einem Energiemonitoringsystem ausgestattet und ein Energiemanagementsystem nach DIN EN ISO 50001:2018 eingeführt, um den energetischen Verbrauch des Betriebs möglichst transparent und ganzheitlich zu erfassen und um weitere Möglichkeiten für lohnende Effizienzmaßnahmen während der Produktion zu identifizieren.
Auch die komplette Druckluftanlage wurde geprüft. Daraufhin konnten Leckagen beseitigt und die Mitarbeiter in diesem Bereich sensibilisiert werden. Der Strombedarf der zuvor durchlaufenden Pumpen konnte durch die Implementierung von Nachtschalt- und Wochenendbetrieb gesenkt werden.
 
Durch Optimierung rund 8 % Strom gespart
 
Nach dem KEFF-Check im Sommer 2017 konnte die KEFF zuerst vor allem durch Kontaktvermittlungen zu Beratern und Experten unterstützen sowie Fördermöglichkeiten für die Kälteanlage, die Druckluftanlage sowie das Energiemanagement-/Energiemonitoringsystem aufzeigen.

Seit Inbetriebnahme des Werks spielt die KEFF als neutrale Instanz eine besondere Rolle hinsichtlich der Energieeffizienz im gesamten Werk – bei Entscheidungsfindungen und der Unterstützung auf Detailebene von der Planung über die Umsetzung bis hin zur Erfolgskontrolle. So konnten 181.686 kWh/a Strom eingespart werden.

Dabei sind die kleinen Schritte auf dem Weg zu diesem Erfolg nicht zu unterschätzen: „Die KEFF unterstützt kompetent, sympathisch und unabhängig. Durch ihre jahrelange Erfahrung im Bereich der Energieeffizienz entdecken die Moderatoren der KEFF kleinste Einsparpotenziale“, sagt Daniel Seipolt, stellvertretender kaufmännischer Leiter bei Biopulver. Das Unternehmen plant, Wärme aus der Produktion rückzugewinnen und hat bereits eine Thermalölanlage zur späteren Anbindung an eine Hackschnitzelanlage integriert. Außerdem soll eine Notstromversorgung über PV-Batteriespeicher eingerichtet werden. 
 
Früchte Jork
 
Früchte Jork in Isny im Allgäu ist seit 1953 als Obst- und Gemüsehändler und darüber hinaus seit 2007 auch als Vollsortimentslieferant für Lebensmittel tätig. Das Unternehmen versorgt dabei mit 45 Lkw an sechs Tagen in der Woche über 600 Gastronomie- und Hotellerie-Betriebe im Umkreis von rund 100 km rund um Isny mit frischen Lebensmitteln. Sowohl beim Produktsortiment und Transport als auch am Firmensitz setzt Früchte Jork auf Nachhaltigkeit und hat schon vor einigen Jahren Photovoltaik-Anlagen mit insgesamt circa 280 kWp installieren lassen.
Da das Sortiment in weiten Teilen aus kühl- und tiefkühlpflichtigen Produkten besteht und die Einhaltung einer lückenlosen Kühlkette für die Qualität der Produkte maßgeblich ist, entsteht täglich ein immenser Strombedarf zum Betrieb der Kühlanlagen des über 5.000 m2 großen Logistikzentrums. Die anfallende Abwärme aus der Kälteerzeugung war 2018 der Anlass, die Energieeffizienz in einem KEFF-Check prüfen zu lassen.
 
BHKW 
 
Daraufhin entschied sich das Unternehmen für den Einbau eines BHKW mit rund 150 kW elektrischer Leistung, das mit einem Absorber zur Kühlung und damit zur Unterstützung der Kälteanlagen ausgestattet ist. Die Abwärme wird außerdem zur Beheizung des Firmengebäudes genutzt. Durch den Anschluss an das eigene Nahwärmenetz werden derzeit zusätzlich 18 Mitarbeiterwohnungen und 1.000 m2 Büro-/Gewerbefläche mit Wärme versorgt. Die Niedertemperatur-Restwärme kann zusätzlich in das öffentliche Netz eingespeist werden. Auch weitere Firmengebäude können angeschlossen werden.
Früchte Jork nutzt das BHKW zur Wärme-, Kälteerzeugung und für das eigene Nahwärmenetz optimal aus. Im Notfall dient das BHKW außerdem als Notstromversorger. Insgesamt konnten damit weit über 60.000 l Heizöl pro Jahr eingespart und der Strombezug um 600.000 kW/h gesenkt werden. Damit landete das Unternehmen im vergangenen Jahr unter den zehn Nominierten beim Keffizienzgipfel. Die Anlage soll noch weiter optimiert werden. Als Projekt für die Zukunft ist geplant, das BHKW auf Bio-Erdgas umzustellen.
 
Ensinger Mineral-Heilquellen 
 
Auch die Ensinger Mineral-Heilquellen GmbH mit Sitz in Vaihingen/Enz nutzte einen KEFF-Check. Das mittelständische Familienunternehmen der Mineralwasser- und Getränkeindustrie verfügt über ein zertifiziertes Qualitäts-, Umwelt- und Energiemanagement und ist nach dem internationalen Food Standard IFS zertifiziert. 
Schon vor dem KEFF-Check engagierte sich Ensinger stark in Sachen Nachhaltigkeit. Für die Getränkeproduktion wurde ausschließlich Strom und Gas aus erneuerbaren Energiequellen eingesetzt und eine Energiemonitoring-Software sorgte für die notwendige Transparenz in den Prozessen. Durch die Photovoltaik-Dachanlage konnte ein großer Teil des Stromeinkaufs ersetzt werden. Im Rahmen des KEFF-Checks wurden weitere Einspar-Potenziale ausgemacht und Maßnahmen angestoßen. Bei der Heizungsanlage wurde ein hydraulischer Abgleich durchgeführt und eine Beleuchtungssensorik empfohlen. Außerdem wurde bei einem Bestandskompressor der Motor getauscht, um dessen Lastlaufzeit zu erhöhen und die Leerlaufzeiten der kleineren Kompressoren zu reduzieren. Produktionsbereiche mit unterschiedlichen Temperaturniveaus sind jetzt konsequent getrennt, um eine ungewollte Temperaturvermischung zu verhindern.
 
KEFF: Regionale Kompetenzstellen für Energieeffizienz
 
Um die Energieeffizienzpotenziale von Unternehmen auszuschöpfen, fördert das Umweltministerium regionale Kompetenzstellen für Energieeffizienz (KEFF) in den zwölf Regionen Baden-Württembergs. Die KEFF informieren vor allem kleine und mittelständische Unternehmen kostenlos und unabhängig über Energieeffizienz. Sie vermitteln Energieberatungsangebote und unterstützen bei der Umsetzung von Maßnahmen. Auf der Internetseite www.keff-bw.de finden sich die Kontaktdaten der Effizienzmoderatoren in den zwölf Regionen sowie weitere Informationen wie z. B. gelungene Beispiele und eine Förderübersicht. 

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Friedrichstraße 45
70174 Stuttgart
Telefon: +49 711/252841-45

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