Antriebstechnik SEW-Eurodrive bei der Privatbrauerei Erdinger Weißbräu

Flexible und energiesparende Abfüllung und Verpackung für das Exportgeschäft von Weizenbier

  • Abb. 1: Täglich transportieren bei Erdinger Weißbräu kilometerlange Transportanlagen hunderttausende Flaschen. © SEWAbb. 1: Täglich transportieren bei Erdinger Weißbräu kilometerlange Transportanlagen hunderttausende Flaschen. © SEW
  • Abb. 1: Täglich transportieren bei Erdinger Weißbräu kilometerlange Transportanlagen hunderttausende Flaschen. © SEW
  • Abb. 2: Beim Kastentransport kommen die mechatronischen Antriebseinheiten Movigear und Standardantriebstechnik von SEW-Eurodrive zum Einsatz. © SEW
  • Abb. 3: Die Movitrac-Frequenzumrichter von SEW-Eurodrive treiben die Linearachsen für die Leergut-Sortierroboter an. © SEW
  • Abb. 4: Ausschnitt des Hochregallagers mit Regalbediengerät. © SEW
  • Abb. 5: Diese Getriebemotoren treiben die Verpackungsmaschine an, die die Flaschen in die Kästen setzt. © SEW
  • Abb. 6: Die Leergutsortierung wurde vom Anlagenbauer Vision-tec errichtet, die Antriebstechnik lieferte SEW-Eurodrive. © SEW
  • Abb. 7: Das Firmengebäude der Privatbrauerei Erdinger Weißbräu.
  • Abb. 8: Die mechatronischen Antriebseinheiten Movigear transportieren die Leergutkästen zur Kastenwaschmaschine. © SEW
  • Abb. 9: Dipl.-Ing. Gunthart Mau ist Referent Fachpresse bei SEW-Eurodrive in Bruchsal.
  • Abb. 10: Albert Schenker, Kundenbetreuer im Drive Technology Center Süd: „Die Abläufe mit Erdinger sind sehr gut eingespielt. Hand in Hand arbeiten wir schon seit fast zwei Jahrzehnten zusammen“.

In über 90 Ländern der Erde kennt man das Logo mit der Ähre: Die Privatbrauerei Erdinger Weißbräu ist seit Jahrzehnten auch im Export äußerst erfolgreich. Bevor das Erdinger Weißbier von Oberbayern aus seine Reise um den Globus antritt, reift es wie Champagner in der Flasche. Als einer der wenigen Spezialisten pflegt Erdinger Weißbräu dieses traditionelle Brauverfahren, das eine aufwändige Logistik erfordert: Hunderttausende Flaschen wandern täglich über kilometerlange Transportanlagen in ein Hochregallager, wo das Weißbier seinen typischen Geschmack entwickelt. Fast die gesamte Abfüll- und Verpackungskette ist mit zukunftssicherer Antriebstechnik von SEW-Eurodrive ausgestattet.

Kleinere Gebinde im Export

Die Elferkiste und das Sixpack sind im Kommen: Hauptsächlich im Export sind kleinere Gebinde von Erdinger Weißbräu mit steigender Tendenz gefragt – Formate, die hierzulande unüblich sind und ältere Handhabungstechnik vor Probleme stellen. Einer der Gründe, warum die inhabergeführte Brauerei im oberbayerischen Erding einen Millionenbetrag in die Modernisierung ihrer Produktion investiert. In einem mehrjährigen Prozess werden die Abfüll- und Verpackungsanlagen auf flexiblere Technik umgestellt, die mit unterschiedlichen Flaschentypen und vor allem neuartigen Gebinden zurechtkommt. Herzstück der Umrüstung wird eine Varioline-Anlage von Krones sein, die Flaschen in unterschiedlichen Kartonagen zusammenfassen kann. Die Verpackung wird in der Produktionsstraße „on demand“ aufgefaltet: Das System kommt mit verschiedensten Zuschnitten zurecht und kann Verpackungsbestandteile flexibel kombinieren. Dadurch kann die Brauerei auftragsbezogen schneller auf Kundenwünsche reagieren.

Produktionsstraßen von Krones, Antriebstechnik von SEW-Eurodrive

Zwei komplette Produktionsstraßen und etliche Zusatzelemente haben die Erdinger Brauer bei Krones geordert. Die Systeme bewältigen einen Durchsatz von jeweils rund 55.000 Flaschen pro Stunde. Die Anlagen sind durchweg mit Antriebstechnik von SEW-Eurodrive ausgerüstet, darunter neben dezentralen mechatronischen Movigear-Einheiten auch Getriebe- und Servomotoren.

Gegenüber den alten Schneckengetriebemotoren erzielen die mechatronischen Antriebe 46% Einsparung. Schon zur Markteinführung erfüllten die Movigear-Einheiten den Standard IE4. „Gesetzlich vorgeschrieben war damals erst IE2“, erläutert Kundenbetreuer Albert Schenker vom Drive Technology Center Süd der SEW-Eurodrive in Kirchheim bei München.

Ernergieeinsparungen

Der niedrige Energiebedarf bringt eine erhebliche Einsparung, denn die Transportstraßen in der Brauerei sind ungewöhnlich lang: Viele Kilometer Transportweg durchziehen den Produktionsbetrieb insgesamt, eine Folge der komplizierten Logistik, die sich aus der Flaschengärung ergibt. Zehn Weizenbiersorten werden fünf Tage pro Woche im Dreischichtbetrieb gebraut. Jährlich rinnen rund 1,8 Millionen Hektoliter Erdinger in durstige Kehlen, auch aus Dosen und Fässern im Gastronomieausschank. Doch das so genannte Jungbier ist nach dem Abfüllen noch nicht genießbar – es folgt ein zweiter Gärprozess in der Flasche bzw. im Fass. Entsprechend kann das Bier die Brauerei nicht sofort verlassen, sondern reift in einem Lager unter temperierten Bedingungen rund vier Wochen lang.

Movigear-Systeme

Das Hochregallager befindet sich jedoch auf der anderen Straßenseite gegenüber der eigentlichen Brauerei, ebenso die Leergutsortieranlage. Unter der Straße verläuft daher ein 200 Meter langer Tunnel in bis zu fünf Metern Tiefe. Frisch abgefüllte Gebinde wandern durch diese Unterführung ins Lager, das Leergut läuft in demselben Tunnel zurück in die Produktion. Insgesamt drei Transportstraßen bilden diese firmeneigene U-Bahn, bestückt mit rund 160 Movigear-Systemen aus Bruchsal. Die Brauerei schätzt das hohe Losbrechmoment, das bis zu 350% des Nennmoments betragen kann: Die Anlage kann nach dem Wochenende mit den dezentralen Antrieben problemlos angefahren werden; eine Überdimensionierung der Motoren für diesen Zweck ist nicht erforderlich. Im Hochregallager werden rund 20.000 Palettenplätze in sechs, jeweils 20 m hohen Gassen von Regalbediengeräten verwaltet. Rundherum verläuft ein vollautomatisches Palettentransportsystem. Diese Anlage und die Regalbediengeräte werden über Getriebemotoren von SEW-Eurodrive angetrieben: Ab dem Jahr 2010 hat die Brauerei auch ihr Lager mit Unterstützung der SEW-Niederlassung Kirchheim modernisiert.


Traditionsbewusster Familienbetrieb im Erdinger Moos

Die Große Kreisstadt Erding liegt rund 40 Kilometer nordöstlich von München an der Sempt, einem Nebenfluss der Isar. Heute werden gut 35.000 Einwohner gezählt, der benachbarte Flughafen München Franz-Joseph-Strauß ist ein Wirtschaftsmotor der Region. Das Luftfahrt-Drehkreuz entsteht zwischen 1985 und 1992 im „Erdinger Moos“, einst ein Moor auf Sand und Schotter, den die Zungen eiszeitlicher Gletscher hinterlassen haben. Erding wird im Mittelalter als Gegengewicht zum Bischofssitz Freising ausgebaut und entwickelt sich zum wichtigen Handelsplatz. Anfang des 20. Jahrhunderts sind bereits rund 90% des einstigen Moorgebiets entwässert und wirtschaftlich genutzt. Die letzten verbleibenden Moorflächen stehen heute unter Naturschutz.

1886 wird im Erdinger Stadtkern das „Weisse Bräuhaus“ gegründet. 1930 kauft die Hildesheimer Malzfabrik F. W. Otto den Betrieb. Unter diesen Eigentümern ist Franz Brombach Geschäftsführer, der die Brauerei 1935 selbst erwirbt. Pro Jahr werden damals bescheidene 3.500 Hektoliter Weißbier erzeugt. Heute verlässt an einem einzigen Tag mehr als die dreifache Menge Bier die Sudpfannen. Den Grundstein für diese gewaltige Expansion legt der Sohn des Eigentümers, Werner Brombach. Als studierter Bierbrauer und Betriebswirt übernimmt er nach dem Tod seines Vaters 1975 den Betrieb. Schon zuvor hat er als Mitglied der Unternehmensführung die Weichen in Richtung Export gestellt: Zunächst etabliert Brombach Erdinger Weißbier als bundesweite Marke, wenig später auch in Österreich und Italien. Bis heute ist das Brauhaus, das 1983 an den Stadtrand von Erding umzieht, im Privatbesitz von Werner Brombach. Rund 530 Mitarbeiter kümmern sich um die Weißbierspezialitäten, die Bierkenner in über 90 Länder begeistern. Der offizielle Erdinger Fanclub zählt rund 90.000 Mitglieder in über 60 Ländern.

Weizenbier oder Weißbier?

In früheren Jahrhunderten war Bier aus Weizenmalz ein Luxusgut: Der Weizen ist dem Brotbacken vorbehalten, zeitweise verbieten die Herrscher das Brauen mit dem hochwertigen Getreide gänzlich. Mindestens 50% vom Malz im Sud müssen vom Weizen stammen, damit das Gebräu die Bezeichnung „Weizenbier“ tragen darf. So heißt die Sorte fast überall - nur nicht in Bayern; hier ist für ein und dasselbe Getränk der Name „Weißbier“ üblich. Der Grund für diese Tradition liegt im Dunkel der Geschichte, allerdings haben die Farbe „Weiß“ und der „Weizen“ einen gemeinsamen etymologischen Ursprung. Zudem waren die meisten Biere in früheren Jahrhunderten wesentlich dunkler. Weißbier hat einen erhöhten Kohlensäureanteil und schäumt dadurch stärker auf. Im Brauprozess wird so genannte obergärige Hefe eingesetzt, das heißt, sie schwimmt auf dem Jungbier und gärt etwa bei Zimmertemperatur zwischen 15 und 20°C. Entsprechend wird Weißbier vor der Erfindung der Kältemaschine hauptsächlich im Sommer gebraut.

Erdinger Weißbräu setzt auf den Flaschengärungsprozess, der hohen Aufwand nach sich zieht, aber mehr Aromen freisetzt. Dem Jungbier wird vor der Abfüllung noch eine so genannte Speisegabe zugesetzt, also etwas unvergorene Würze, sowie frische Hefe. Im Lager reift das Getränk Flasche für Flasche, etwa zwei bis vier Wochen lang. Der Stammort Erding ist nach wie vor einzige Produktionsstätte und die obergärige Brauhefe wird vor Ort kultiviert. Die Hefestämme sind somit weltweit einzigartig. Neben den klassischen Weißbiersorten ist vor allem die alkoholfreie Variante berühmt: Eine komplette Produktionslinie in der Abfüllung ist heute fast vollständig mit Erdinger Alkoholfrei ausgelastet. Als kalorienreduzierter isotonischer Durstlöscher ist das Bier auf der ganzen Welt gefragt und nach Angaben der Brauerei die Nummer eins in seinem Marktsegment.


 

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SEW-Eurodrive GmbH & Co.KG

76642 Bruchsal
Germany
Telefon: 07251/75-2588

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